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junge welt 11.12.2008
Das von Deutschen an Juden im 20. Jahrhundert Verbrochene hat die Beziehungen zwischen beiden Kollektivitäten seit 1945 nachhaltig geprägt. Die Feststellung ist trivial: Zu erdrückend das Grauen des »Zivilisationsbruches«, zu unfaßbar »das schwarze Loch Auschwitz«, als daß es anders hätte sein können. Die Ohnmacht der Begriffslosigkeit fürs präzedenzlose Ereignis griff indes so sehr um sich, daß die Monstrosität des jüngst Geschehenen zunächst von beiden Kollektivitäten weitgehend beschwiegen wurde. Ob dies Beschweigen seine Notwendigkeit darin hatte, daß es für Überlebende wie Täter möglicherweise zu früh war, sich dem Unfaßbaren zu stellen, muß hier unerörtert bleiben. Psychisch – auch kollektivpsychisch – ist durchaus nachvollziehbar, daß der »Neubeginn« für Täter und Opfer, das Aufschlagen einer »neuen Seite« im je eigenen Leben als Individuen oder als Gesellschaft, mit einer zumindest temporären Geschichtsvergessenheit einherging. Das muß man nicht goutieren, um es dennoch begreifen zu können.